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Mittwoch, 26. Oktober 2011
spintop, 21:13h
Würde ihr nicht schaden, schoß es Lilly durch den Kopf. Ein wenig mehr Respekt vor sich selbst, flüsterte eine Stimme die Sie nicht schnell genug zum schweigen bekam. Der Spiegel, der das gräßliche Bild einer jungen Frau zeigte, zumindest dem Sinn der jungen Frau vor dem Spiegel nach, wollte zerschlagen werden. Er schrie förmlich danach. Doch die junge Frau konnte sich zurückhalten. So weit war es noch nicht, das ein Spiegel ihr befehlen konnte, was sie zu tun hatte. Tief durchatmend ließ sie ein wenig den Kopf hängen. Das blonde Haar kitzelte an ihrem Kinn. Ohne nochmal den Blick zu heben wandte sie sich ab und verließ das kleine Badezimmer. Es war halt nicht leicht, dachte sie. Allein zu sein. Als Lilly ihr Zimmer betreten hatte, fiel sie der Länge nach auf ihr Bett und drückte ihr Gesicht ins Kissen. Es war ein sehr weiches Kissen, welches ihr vor kurzem erst geschenkt worden war. Wieder forderte die Stimme in ihrem Kopf ungefragt und unerlaubt eine Richtigstellung. War Lilly wirklich allein? Oder kam ihr das nur so vor? Konnte einem Menschen das so vorkommen, wenn es nicht wirklich der Fall sein sollte? Immerhin sollte man meinen, konnte man Einsamkeit physisch festellen. Lilly drehte sich auf den Rücken und starrte an die Decke, entschlossen genau das herauszufinden. Sie wurde gemocht. Sehr gemocht. Sprach die feindliche Stimme. Aber wer konnte sich dessen sicher sein? Hielt sie herausfordernd dagegen. Du... schau dir die Situation nur mal an. Lilly schnaubte spöttisch. Und wenn, sprach die Stimme weiter, und wenn es wirklich nicht das sein sollte, nach dem es sich anfühlt. Schadet es, es zu geniessen und für den Moment zu wissen, das man nicht allein ist? Der jungen Frau fiel keine Erwiederung ein. Aber überzeugt war sie dennoch nicht, denn ein Mensch allein reichte noch nicht um nicht mehr allein zu sein... dachte sie nicht ohne Schuldgefühle. Gut, sprach die Stimme, die irgendwie immer klarer wurde. Deine Familie steht hinter dir. Grade wollte Lilly etwas erwidern, da wurde sie sogar unterbrochen. Vielleicht manchmal zu sehr, aber ist nicht auch das ein Zeichen der Liebe? Sie hob eine Augenbraue, konnte aber auch darauf nicht sagen. Was ist mit Freunden, sagte sie und drehte sich zur Seite, während sie die Beine anzog. Dabei stieß sie einen leisen Fluch aus. Sie sollte nicht mehr so viel laufen gehen, oder einen Arzt aufsuchen. Wunderbar schnaubte sie. Jetzt gab die Stimme auch noch Gesundheitstipps. Ihrem Knie ging es gut, sprach sie. Mal mehr mal weniger, fügte sie noch sehr leise an. Du hast Freunde... meinte die Stimme. Manche sind nur sehr weit weg. Andere haben auch ein eigenes Leben, meine Liebe. Aber das heißt nicht, das du ihnen egal bist. Freunde bleiben bei dir, auch wenn sie manchmal sehr weit weg scheinen. Lilly öffnete die Augen und sah der Stimme ins Gesicht. Eine kleine Träne lief über ihre Wange. Die Stimme strich sie zärtlich weg. "Vergiss das nie." Lilly nickte und wurde umarmt. Sie drückte ihr Gesicht in wohlriechende Haut. "Was würde ich ohne dich machen, liebster." Manchmal brauchte man Hilfe. Wenn man keine eigene Stimme mehr hatte, die einem manchmal ins Gewissen sprach. Dafür war sie dankbar. Trotz ihrer Angst.
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