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Dienstag, 16. Oktober 2012
Neue Richtung?
spintop, 17:48h
Valentin Maidorn betrat die Parteizentrale. Er hasste dieses Gebäude. Hatte es schon immer gehasst, seit er vor zehn Jahren das erste mal diese Räumlichkeiten betreten hatte. Es war grau in grau. Dabei dunkel gehalten, nur unterbrochen von den blutroten Transparenten ihres Parteikonterfeis. Soziale Partei... eigentlich sollte man bei diesem Namen etwas anderes erwarten. Etwas helleres vielleicht? Er seufzte. Politik war noch niemals etwas sinnbehaftetes gewesen. Valentin Maidorn war Parteiangehöriger seit inzwischen über zwanzig Jahren. Sein Lebensweg war schon bestimmt gewesen, als er geboren wurde. Familie Maidorn war schon bei der Gründung der SP eine feste Größe gewesen. Maidorn Mansion ein Teil des politischen Apperates und Valentin ein Mitglied seit dem sechsten Lebensjahr. Erst in der Kleinschar, in der man ab der ersten Schulklasse eintreten kann, dann in der Jugendschar und später als voller Angehöriger der SP. War man allerdings ganz ehrlich zu sich selbst, waren auch die Scharen eigentlich voll der Partei angehörig. Nur dem Gesetz gegenüber, dass besagte das Kinder und Jugendliche zum Schutz der geistigen Entwicklung, keine volle Parteizugehörigkeit innehaben dürfen, waren sie ideologisch eingefärbte Freizeitvereine. Gut konnte Valentin sich an die Abende erinnern, in denen ihm und den anderen Kindern die Vorzüge der SP gegenüber den anderen Parteien eingehämmert wurden. In langen Tiraden waren den Kindern Dinge gesagt wurden, die sie natürlich nicht verstanden. Aber es setzte sich fest. Für Valentin selbst war das keine große Sache gewesen. Er kannte alle Sätze, alle Wörter... beinahe auch alle Redewendungen schon von seinem Vater. Manchmal glaubte er, dass die Partei nur einen Kollektivwortschatz hatte, den sie ihren Mitgliedern einimpfte... und die ihren Kindern. Er hatte das alles mit der Muttermilch eingesogen. Sinnbildlich. Die meisten dieser Kinder, wurden später zu loyalen Angehörigen ihrer Partei. Natürlich nicht alle, aber schwarze Schafe gab es überall. Oppoturnisten, nannte die Partei sie intern. Offiziell war die Angehörigkeit zu einer Partei natürlich freiwillige Sache und niemand wurde aufgrund der Ideologie die er vertrat schlechter behandelt als sein Nachbar. Verräter flüsterten die Mitglieder der SP. Valentin war durchaus bewusst, das die Partei letzlich aus ihren Mitgliedern bestand, aber ganz selten hatte er das Gefühl, als wäre da ein Unterschied, auch wenn ihn solche Gedanken nur in den düstersten Stunden überkamen. Pack betitelte Valentin sie. Natürlich nur für sich. Wie dem auch sei, trotz all der Wankelmütigen waren die Scharen eine tolle Einrichtung. Sie gaben den Kindern die Möglichkeit aus den düsteren Städten herauszukommen und mit Freunden ins Gelände zu fahren. Auch vielleicht aus den düsteren Familien raus zu kommen. So sehr er Sie verabscheute, waren grade die ärmeren Familien und die asozialen, Wähler ihrer Partei. Ein Teil ihres Rückrades. Ihrer Macht. Er schaute sich um. Der Weg zu seinem Büro war lang und führte einmal durch das ganze Gebäude. Unter anderem auch durch einen Flur in dem Bilder hingen. Bilder ihrer größten Mitglieder um genau zu sein. Kunst war bei den sozialen eher selten zu finden. Ganz vorne hing das Bild seines Urururgroßvaters. Balthazar Maidorn. Einer der Parteigründer von vor 240 Jahren. Valentin schauderte. Seit er denken konnte. War Balthazar sein Vorbild gewesen. Er würde vieles geben um ihm einmal gegenüber zu stehen. Kurz senkte er den Blick. Er konnte nicht wissen wie sein Urururgroßvater reagieren würde. Zwar war Valentins Stellung nicht unwichtig in der Partei, aber von der Bedeutung Balthazars gemessen, war sie womöglich lächerlich. Valentin war eine Art Detektiv. Parteiendetektiv. Er war betraut mit der Überwachung bestimmter Personen, sowohl ausserhalb der Partei... wie auch innerhalb. Seine offizielle Bezeichnung war: Komissar für Interne Angelegenheiten und Vermittlungen. Eine nette Umschreibung für das was er tat. Das nächste Bild in der Reihe war Karl Leutmund. Der letzte Kanzler den ihre Partei gestellt hatte. Das war vor zwei Jahren gewesen. Damals hatte die SP ihre Vormachtsstellung verloren und somit auch das höchste Amt ihrer Regierung. Zumindest das höchste wirkliche Amt. Das Prestigeamt, der Premier war immer noch in ihrer Hand. Und war nicht letztendlich Schein wichtiger als Sein? Weiter den Gang runter würde Valentin immer weiter in der Vergangenheit gehen und die für ihre Ära wichtigsten Persönlichkeiten seiner Partei finden. Erneut seufzte er. Valentin war gut in dem was er tat. Sehr gut sogar. Aber leider war er nicht geschaffen für die höheren Ämter. Ihm fehlte die Eloquenz... die Rhetorik... das Charisma. Er konnte nicht genau ausmachen woran es scheiterte. Fakt war nur das dort etwas war, was ihm fehlte. Nach einem weiteren Dutzend Schritte betrat Valentin sein Büro. Auch dieser Raum war nüchtern gehalten. Aber so sehr er mit seiner Partei sympathisierte, so sehr missfiel ihm die kalte Nüchternheit ihrer Zentrale. In seinem Büro hingen Bilder. Er hatte Pflanzen auf der Fensterbank und er hatte sich sogar getraut, einen braunen Teppich auslegen zu lassen. Hauptsache keinen grauen. Er nickte leicht.Wie jedes Mal wenn er diesen Raum betrat, überkam ihn das Gefühl das Richtige getan zu haben. Leicht schüttelte er sich, als könnte er die Wassertropfen damit abwerfen, die ihm der Regen auf den Mantel gezeichnet hatte. Kaum hatte er sich gesetzt und seinen Computer hochgefahren, klopfte es an seiner Tür. Kurz schaute Valentin auf seine Uhr. Ungewöhnlich. Sonst kam selten jemand vor dem Mittag bei ihm vorbei. “Herein.” Rief er und die Tür öffnete sich. Instinktiv schaute er auf und konnte in der Folge seinen Blick erstmal nicht wieder senken. Eine Frau betrat sein Büro und nickte ihm leicht zu. Kaum eine Sekunde brauchte Valentin um seinen ersten Eindruck zu reflektieren. Sie war hochgewachsen, mit langen blonden Haaren. Sie war mit dem Auto hier, denn ihren Mantel zierten nicht halb so viele Tropfen wie seinen. Aber nicht selbst gefahren, es sei denn sie hatte Schuhe zum wechseln dabei. Ihr Kleid war grade kurz genug um einen Blick auf wohlgeformte Beine zu werfen, und definitv auch kurz genug um Interesse zu erwecken, aber zu lang um als unziemlich zu gelten. Der Mantel war grade offen genug um eine Vorstellung ihrer Figur zu bekommen. Valentin musste zugeben, dass seine Vorstellung sehr angenehm war.
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