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Dienstag, 30. Oktober 2012
Skyline Part 2
spintop, 19:10h
Während hoch oben, in der Nähe der Skyline ein kleiner Krieg abgehalten wurde, kämpfte man weiter unten anders um sein Überleben. Einmal war die Art der Gewalt anders... und auch worum gekämpft wurde. Um Essen oder Trinken. Einen sicheren Platz zum schlafen oder einfach um eine Frau gefügiger zu machen. Je weiter man sich von den hohen Herren der Skyline entfernte, desto ärmlicher wurde man. Jenny hatte häufiger in letzter Zeit solche Gedanken. Sie empfand ihr Leben als ungerecht und vor allem als unfertig. Sie wollte mehr! Sie wollte höher hinaus. Im wahrsten Sinne des Wortes. Kurz trat sie an ein Fenster und schaute durch den Schmutz in den Himmel. Er war schlecht zu erkennen, so weit unten, was an den Dämpfen lag, die vom eigentlichen Erdboden aufstiegen. Aber mit viel Fantasy erkannte man die Skyline. Sowohl die Bahn selbst, wie auch die oberen Etagen der Hochhäuser, welche die oberen Zehntausend beherbergten. Das Wort würde für beide Definitionen benutzt. Jenny seufzte. So weit sie sich erinnern konnte, war ihre Gesellschaft immer so gewesen. Aber es gab Geschichten. Die Alten erzählten von Zeiten, als die Erde noch nicht giftig war und man Pflanzen in der freien Natur finden konnte. Wo die Stadt nicht die ganze Welt umspannte und es Flächen gab, in denen nicht ein einziges Gebäude stand. Sie versuchte sich das vorzustellen, während ihre Welt aus grauen Wänden bestand, die man durch blinde Fenster sah. Aus unendlichen Räumen und Treppenschächten. Lüftungsröhren und Abfall. Sie seufzte als sie merkte, dass sie es nicht konnte. Es war zu abstrakt. Bedrückt wandte sich Jenny vom Fenster ab und machte sich auf den Weg weiter. Eigentlich könnte sie glücklich sein, sagte sie zu sich selbst. Immerhin war sie nicht noch weiter unten. Es soll Ebenen geben, in denen die Dämpfe allzeit in die Häuser eindringen. Ihr Gift soll die Leute verändert haben, die das Pech hatten, so arm zu sein, dass sie da unten lebten. Und nicht mal dort ist Schluss. Gerüchte besagte, dass die unterste Ebene, die jemals bewandert worden ist, Ebene 3 sein sollte. Exkursionen der Reichen Universitäten von oben waren nicht weiter runter gekommen. Sie hatten Angst vor den Dämpfen, welche Giftiger und ätzender wurden, je tiefer man kam. Jenny schnaubte kurz und fühlte lediglich Verachtung für das feige Pack, das vermutlich sogar dafür verantwortlich war, dass es ist wie es ist. Beweisen konnte sie es freilich nicht. Wer konnte demnach schon sagen was unter Ebene 3 war. Und vielleicht sogar noch tiefer. Früher soll es Kilometerlange Stollen gegeben haben, die durch die Erde führten. Für Wasser oder für Züge, ganz ähnlich der Skyline. Erneut seufzte Jenny. Heute war wieder einer ihrer Schwermütigen Tage. Leute wie sie befanden sich rund um Ebene 50. Sie war nicht zu arm, aber auch noch lange nicht Reich. Sie musste Angst um ihr Leben haben, wenn sie etwas hatte, was andere haben wollten. Aber Hunger war nicht ihr ständiger Begleiter. Sie hatte meist sichere Schlafplätze und so etwas wie eine Familie, wenn man die Gilde dazuzählen konnte. Aber ihre wahre Familie kannte sie nicht. Die war ermordet worden. Ihr Leben war ein beständiges Ringen um Komfort, nicht um das Leben an sich. Meistens zumindest. Sie schaute sich um. Heute musste sich erst noch entscheiden, worum sie stritt. Ihre Aufgabe war ein Mord. Aber wenn alles nach Plan verlief, brauchte sie nicht mal fürchten, noch in der Nähe zu sein, wenn ihr Opfer gefunden werden würde. Sie überprüfte noch kurz ihre Ausrüstung, dann schaute sie sich um. Ihren Informationen nach sollte hier ein Einstieg in das Liftsystem sein. Kurz bevor die Welt untergehen sollte, waren die Häuser hochgerüstet worden. Archen, für die Menschen die es wert waren zu überleben. Aber heute, ein paar Hundert Jahre später, waren die Liftanlagen schon lange nicht mehr in Betrieb. Jenny räusperte sich. Zumindest nicht auf diesen Ebenen. Wahrscheinlich war es auch niemals vorgesehen, dass Leute wie sie hier stehen würden. Jenny band ihre Haare zusammen und trat an einen Haufen Schutt, welcher sich an einer Wand aufstapelte. Sie befand sich geographisch gesehen in den Outlands. Die Hochhäuser unerschieden sich nicht nur in den vertikalen Ebenen, sondern auch in den horizontalen Bereichen. Manche Bereiche waren kleine Städte in der Stadt. Manche waren bestimmten Gilden oder Banden zugeordnet und an manche stellte einfach niemand Ansprüche. Diese waren es, die am ehesten immer mehr verkamen und durch die skurile Gestalten streiften. Aussteiger, Einzelgänger, Exilanten und Mörder, Diebe, und anderes gesetzloses Pack, welches sich nicht in den Schutz einer der Gilden stellte. Wie dem auch sei, sie war nicht so doof gewesen und hatte das Angebot ihrer Gilde ausgeschlagen, als man sie als Diebin enttarnt hatte. Während sie den Schutt beiseite räumte, dache sie an ihre Vergangenheit. Exakt 10 Jahre war es jetzt her.
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