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Samstag, 1. Oktober 2011
Die Anfänge
Da war es wieder. Die ganze Scheiße begann von vorne. Alles kam hoch und Sie hatte nur noch das Gefühl, am liebsten ihre Seele aus dem Leib kotzen zu wollen. Sicherlich war dieser Gedanke kindisch, aber manchmal brauchte Sie das. Sie wollte sich an ihrem eigenen Leid weiden. Wenn es sonst schon niemand tat. Wütend wischte Sie sich eine Träne von der Wange und hämmerte ihre Hand auf den Waschbeckenrand. Leise fluchte sie über den flüchtigen Schmerz. Dann schnaubte die Frau. Was interessierte sie es überhaupt, ob ihre Hand schmerzte? Es war immerhin nur ein zeitlich begrenztes Ungemach. So wie alles zeitlich begrenzt schien. Wohlgefallen, Glück, Liebe... Leid, Schmerz. Alles nur flüchtige Eindrücke in einer vergänglichen, sich immer wiederholenden Welt der Betäubung. Nichts machte einen Sinn. Nichts schien es noch wert sich dafür aufzuraffen, wenn man doch ohnehin nichts bewahren konnte. Man konnte nur noch die Symptome bekämpfen, in einer kranken, zum Sterben verurteilten Welt. Und Sie mittendrin. Nichts gelang, nichts wollte ihr mal zuspielen. Alles musste erkämpft werden, damit man sehen konnte, wie sehr man sich das gewünscht hat, was einem nur wieder genommen wird. Kein Glück. Kein Sinn.

Langsam hob sie die Klinge an ihren Arm.

Da war es wieder. Das Kribbeln im Bauch, begleitet von einem warmen Gefühl. Sie hatte das Gefühl ein Lächeln breite sich auf ihrem Gesicht aus. Vollkommen ohne Grund, einfach weil es Sinn machte, zu lächeln. Jemandem auf der Straße zuzulächeln. Ohne Anlass war eine der schönsten Dinge die man machen konnte. Und mit ein wenig Glück könnte das Lächeln sogar einfach wiedergegeben werden. Einfach so, damit die Welt funktioniert. Denn eigentlich wissen wir alle wie es läuft. Wir halten die Welt zusammen und es fängt im Kleinen an. Möglicherweise in einem Lächeln. Auch wenn es vergänglich war, würde es einen Abdruck hinterlassen. So wie alles in unserem Leben. Auch wenn es vergänglich ist, behalten wir etwas davon in unserem Herzen zurück. Wir machen das Leben. Die Frau strich sich eine Haarsträhne hinter das Ohr und hob den Kopf. Wenn das Leben keinen Sinn hatte, musste man ihm einen geben. Heilung gelingt nur, wenn man dazu bereit ist. Und irgendwer muss den Anfang machen. Damit eine kranke, zum sterben verurteilte Welt weiterbestehen konnte. Das ist unsere Aufgabe. Das ist unser Glück. Der Sinn.

Sie legte das Messer auf den Waschbeckenrand

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Wie gesagt. Eine sehr frühe Geschichte. Mehr nicht...

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